Die agile PDM/PLM-Lösung

Von Michael Wendenburg

PDM/PLM-Systeme galten lange Zeit als unflexibel und nur schwer an neue Anforderungen anpassbar, weshalb viele Hersteller vorkonfigurierte Lösungen anbieten; sie bündeln das geballte Erfahrungswissen aus vergangenen Projekten. Zweifellos haben diese Lösungen ihren Charme, denn sie beschleunigen die Implementierung der Software und erlauben einen schnelleren Return on Invest. Die Frage ist jedoch, ob die Unternehmen auf Dauer mit einem Anzug von der Stange auskommen. Eher nicht, denn um die Herausforderungen der global verteilten Produktentwicklung zu meistern und den maximalen Nutzen aus der eingesetzten PDM/PLM-Investition zu ziehen, benötigen die Unternehmen früher oder später eine maßgeschneiderte Lösung.
Innovative Produkte entstehen heute in einem kreativen Prozess, der durch die Zusammenarbeit von Menschen unterschiedlicher Disziplinen, Abteilungen, Organisationen, Länder und Kulturen gekennzeichnet ist. Die Produktentwickler müssen flexibel auf neue Markt- und Kundenanforderungen, technologische Veränderungen und eine wachsende Flut von externen Vorschriften reagieren. Mitbewerber von heute können morgen Partner und übermorgen vielleicht Kollegen einer neuen Firmentochter sein. Für die Unternehmen bedeutet das, dass sie ihre Prozess- und IT-Landschaften agil an die veränderlichen Rahmenbedingungen anpassen müssen. Andernfalls büßen sie Produktivität ein und ihre PDM/PLM-Installationen verlieren an Wert.
Wie andere Anbieter von unternehmensweiten IT-Anwendungen stehen auch die PDM/PLM-Anbieter einer zentralen Herausforderung gegenüber. Neben Anwendungsfunktionen gilt es, eine Infrastruktur bereitzustellen, die das Customizing, Updates und den Ausbau der PDM/PLM-Lösung über ihren gesamten Lebenszyklus deutlich einfacher, zuverlässiger und kostengünstiger machen. Agilität, Flexibilität und Offenheit sind zu zentralen Anforderungen an PDM/PLM-Systeme geworden. Das betrifft nicht nur die Anpassungsfähigkeit der Software-Architektur und Datenmodelle, sondern auch die Bereitstellung von Werkzeugen, um die Software intern und/oder zusammen mit externen Dienstleistern an die Unternehmensprozesse anzupassen, verlässlich zu testen und Änderungen sicher zwischen den verschiedenen Software-Umgebungen (Entwicklungs-, Qualitätsicherungs-, Produktiv-Syteme) synchronisieren zu können.

Agilität als zentrale Anforderung

CONTACT Software hat diese Anforderungen in den Mittelpunkt seiner Innovationsstrategie gestellt. Mit der CIM-Database-10-Plattform bietet der Software-Hersteller seinen Kunden eine neuartige Komponenten-Architektur, die es erlaubt, die PDM/PLM-Lösung gezielt weiterzuentwickeln und Innovationen schneller in den produktiven Betrieb zu überführen. Außerdem enthält die Software umfassende Methoden und Werkzeuge für die Entwicklung, Qualitätssicherung und das Deployment von neuen Anwendungen und kundenspezifischen Änderungen.

Die neue Komponenten-Architektur erleichtert die Weiterentwicklung der PDM/PLM-Lösung durch Kunden, Partner und Third-Party-Anbieter.

Komponenten-Architektur

Die neue Komponenten-Architektur erleichtert die Weiterentwicklung der PDM/PLM-Lösung durch den Hersteller, die Systembetreuer des Kunden oder durch Third-Party-Anbieter. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass die Anwendungen und ihre Logik getrennt von der Plattform beschrieben und verwaltet werden – ähnlich wie so genannte Apps. Die einzelnen Elemente der Anwendung – einschließlich Datenmodell und Programmcode – werden unabhängig vom Lebenszyklus anderer Komponenten weiterentwickelt. Dabei werden kundenspezifische Anpassungen und Zusatzentwicklungen wie normale Apps behandelt, so dass allen Beteiligten die gleichen Verfahren zur Verfügung stehen, um ihre Anwendungen sicher und effizient bereitzustellen und zu aktualisieren. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, Unterschiede zwischen Customizing und Standard-Umfang zu identifizieren und einfach zu managen.
Das Konzept eigenständiger Apps bietet gerade bei der Einführung neuer Funktionen ein hohes Maß an Agilität. Allerdings ist es im Kontext einer Enterprise-Anwendung notwendig, Daten und Anwendungen miteinander zu verbinden, um Prozesse durchgängig unterstützen zu können. Die Komponenten-Architektur verfügt deshalb über ausgeklügelte Mechanismen, um die Beziehung von Komponenten untereinander zu erfassen und im Entwicklungs- und Deployment-Prozess zu managen. Zusammenhänge zwischen den Apps werden direkt im Datenmodell abgebildet, was die Update- und Release-Fähigkeit aller auf der Plattform entwickelten Anwendungen sicherstellt.
Um die PDM/PLM-Lösung ohne Programmieraufwand anpassen zu können, erlaubt die Plattform sehr weitgehende, deklaratorische Eingriffe in das Datenmodell beziehungsweise in das im Data Dictio­nary definierte Objektschema und -verhalten. Parallel dazu hat der Hersteller auch die Möglichkeiten, kundenspezifischen Programmcode in der objektorientierten Programmiersprache Python zu entwickeln, erheblich erweitert. Python gehört zu den dynamischen Sprachen, die nicht kompiliert, sondern zur Laufzeit interpretiert werden. So können Anwendungen wesentlich agiler programmiert, getestet und eingesetzt werden.

Mächtige Entwicklungsumgebung

In der Entwicklungsumgebung der Plattform steht den Anwendern mit Python PowerScript ein Framework zur Verfügung, das ausgewählte Methoden für die objektorientierte Programmierung und umfassende Bibliotheken mit wiederverwendbaren Python-Bausteinen enthält. Es stellt ihnen beispielsweise vordefinierte Operationen für Objekte und Beziehungen zur Verfügung, die im Data Dictionary modelliert wurden. Die Eclipse-basierte Software-Entwicklungsumgebung PowerScript Studio enthält sprachspezifische Werkzeuge – auch für Python, Werkzeuge für die Quellcode-Analyse und die Kontrolle der Software-Versionsstände. Außerdem gehört zum Funktionsumfang ein Debugger, mit dem der Python-Code im Kontext einer PDM/PLM-Instanz ausgeführt und analysiert wird.
Abgerundet wird die Entwicklungsumgebung um eine Toolsuite, mit der Anforderungen an die zu entwickelnde Software in Form von Test und Use Cases spezifiziert und dokumentiert werden können. Validation Kit unterstützt auch die Validierung von kundenspezifischen Anpassungen und erlaubt es, sie wieder in den Standard zu überführen, sobald die entsprechenden Funktionen standardmäßig bereit gestellt werden.

Mit dem Metrics Framework der CIM-Database-10-Plattform lassen sich Prozess- und Produktverbesserungen im Unternehmen systematisch messen und steuern.

Einfache Umsetzung neuer Anforderungen

Die neue Komponenten-Architektur von CIM Database 10 bildet die Grundlage für den Aufbau einer anspruchsvollen PDM/PLM-Lösung, die mit Hilfe der integrierten Entwicklungswerkzeuge durch den Kunden selbst kontinuierlich an neue oder sich ändernde Anforderungen angepasst werden kann. Zugleich schafft sie die Voraussetzung für die Entwicklung branchenspezifischer Spezialanwendungen durch Third-Party-Anbieter oder die Umsetzung neuer Geschäftsmodelle.
Die Abkehr von monolithischen Software-Architekturen und die Hinwendung zu einer offenen, skalierbaren Plattform mit Komponenten, die jeweils einen eigenen Lifecycle haben, bietet eine Vielzahl von Vorteilen. Sie beschleunigt die Markteinführung neuer und die Anpassung bestehender Anwendungsmodule, ohne dass zwangsläufig das Gesamtsystem aktualisiert werden muss. Sie vereinfacht das Management kundenspezifischer Anpassungen und stellt die Integrität der Standardanwendung sicher. Zudem erleichtert die modulare Plattform den Nachweis der Regelkonformität hinsichtlich der IT-Infrastruktur. Bei konsequenter Nutzung der Komponenten-Architektur und der integrierten Entwicklungsumgebung sinkt der Anpassungsaufwand nach Einschätzung von CONTACT Software um bis zu 50 Prozent.  jbi

Michael Wendenburg ist Journalist in Sevilla, Spanien.

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