Expertenhilfe aus der Ferne

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email
Share on print

Expertenhilfe aus der Ferne

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email
Share on print
fraunhofer_fkie_expertenhilfe_tcm7-92877

Maschine an Maschine reihen sich in der Fertigungshalle aneinander, jede trägt ihren Teil zum Produktionsprozess bei. Legt eine Störung eine dieser komplexen Anlagen lahm, zücken die Industrietechniker zunächst selbst ihr Werkzeug und das entsprechende Handbuch. Manchmal hilft allerdings nur der Griff zum Hörer, um bei der Herstellerfirma Tipps zur Reparatur einzuholen. Telefonisch ist das mit der Beratung jedoch schwer: Welche Schraube ist gemeint? Rechts? Links? Von welcher Seite aus schaut der Techniker auf die Maschine? Auch die schriftliche Kommunikation hat schnell ihre Grenzen erreicht. Oft bleibt nur, den Experten einzufliegen – manchmal vom anderen Ende der Welt. Währenddessen steht die Maschine still und bremst eventuell die ganze Produktion aus.

Künftig kann der Experte den Techniker einfach und schnell unterstützen, ohne sein Büro zu verlassen: mit einem Augmented-Reality-System, das Forscher des Fraunhofer-Instituts für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE in Wachtberg entwickelt haben. Der Industrietechniker nimmt dabei die defekte Maschine mit einer Kamera auf, die auf der Rückseite seines Laptopmonitors angebracht ist. Der Computer ist an einem schwenkbaren Arm montiert, so dass der Techniker den Bildschirm während der Reparaturarbeiten betrachten kann.

Eine Bildverarbeitung berechnet Kameraposition und -richtung und sendet die Daten über konventionelle Telekommunikationsnetze zur Herstellerfirma. Der Experte sieht die Maschine auf seinem Monitor in derselben Perspektive. Er kann mit Hilfe der Software Arbeitsanweisungen an bestimmte Teile der Maschine schreiben, beispielsweise: Diese Schraube lösen. Auf dem Monitor des Technikers werden diese Hinweise an den entsprechenden Maschinenteilen eingeblendet. Läuft der Mitarbeiter mit seinem Laptop um die Maschine herum, bewegt sich das Bild entsprechend. Die Informationen bleiben dabei an der Stelle, an der sie ausgeführt werden sollen, etwa an der speziellen Schraube.

Hat der Techniker den Arbeitsschritt ausgeführt, kann er die Anweisung wegklicken. Da das System auf einem Chat-Protokoll basiert, können alle Beteiligten zusätzlich entweder über Chat oder per Telefon Informationen austauschen. Die Forscher konnten die zu übertragende Datenmenge so reduzieren, dass ein Handynetz für dieses System ausreicht – eine Breitbandverbindung ist überflüssig. Das bietet den Vorteil, dass man den Experten auch an abgelegenen Anlagen zurate ziehen kann. Etwa an Windkrafträdern, die auf einem Feld stehen oder bei Maschinen, die sich in Schwellen- und Entwicklungsländern befinden. »Wir übertragen keine Bilder, sondern Ortsinformationen«, sagt Dr. Thomas Alexander, Forschungsgruppenleiter am FKIE. »Dazu bringen wir derzeit an verschiedenen Stellen der Maschine 2-D-Barcodes an.

Nimmt der Techniker ein Bild des zu reparierenden Objekts auf, liest eine Software diese Markierungen aus und sucht die Hinweise, die dazu hinterlegt sind – etwa die Identifikationsnummer der Maschine sowie die Position und Lage des aufgenommenen Barcodes. Übermittelt werden lediglich diese Details.« Bei der Herstellerfirma verknüpft eine Software die Informationen so mit den CAD-Daten der Maschine, dass der Experte sie aus demselben Blickwinkel sieht wie der Techniker vor Ort. Einen Prototypen des Systems haben die Forscher bereits entwickelt. In einem weiteren Schritt planen sie eine Studie, in der Anwender das System testen werden. Die Ergebnisse helfen den Wissenschaftlern, das System weiter zu optimieren und an die Bedürfnisse der Benutzer anzupassen.

Bild: Anhand von 2-D-Barcodes, die an den Einzelteilen der zu reparierenden Maschine angebracht sind, ermittelt das System Kameraposition und -richtung und sendet diese Daten an den Experten. (Bild: Fraunhofer FKIE)

 

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on xing
XING
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on email
E-Mail
Share on print
Drucken

Ihre Meinung zum Artikel

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Andere Leser haben sich auch für die folgenden Artikel interessiert

Im Zuge der Entwicklung von Fahrassistenzsystemen (FAS) und von autonomen Fahrzeugen müssen neue Ingenieursdisziplinen wie die künstliche Intelligenz ausgebaut werden. Jedoch sind laut aktuellen Schätzungen Milliarden von Testkilometern notwendig, damit Sicherheit und Zuverlässigkeit von FAS und autonomen Fahrzeugen gewährleistet sind. Dies ist jedoch kaum zu bewerkstelligen.

90 Prozent des Eisenerzes lagern im nördlichen Schweden, und so nimmt es nicht Wunder, dass die Technische Universität Luleå ein Zentrum des Bergbaus und der geologischen Expertise ist. Nun investiert die Universität in Virtual Reality-Lösungen, um geologische Prozesse in Forschung und Lehre besser zu modellieren, anschaulich zu machen und zu vermitteln.

Tragen Sie sich jetzt kostenlos und unverbindlich ein, um keinen Artikel mehr zu verpassen!

    * Jederzeit kündbar

    Entdecken Sie weitere Magazine

    Schön, dass Sie sich auch für weitere Fachmagazine unseres Verlages interessieren.

    Unsere Fachtitel beleuchten viele Aspekte der Digitalen Transformation entlang der Wertschöpfungskette und sprechen damit unterschiedliche Leserzielgruppen an.