Faserverbundkunststoffe: Augmented Reality geht dem Werker zur Hand

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email
Share on print

Faserverbundkunststoffe: Augmented Reality geht dem Werker zur Hand

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email
Share on print
Die Herstellung von Produkten, die Faserverbundkunststoffe enthalten (FVK), umfasst oft noch viele manuelle Arbeitsschritte. Diese lassen sich vereinfachen.
Faserverbundkunststoffe: Mit Augmented Reality wird die Fertigung einfacher

Quelle: Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

  • Faserverbundkunststoffe erfordern in der Herstellung von Produkten noch viel Handarbeit.
  • Augmented-Reality-Systeme bieten Anleitung und Dokumentation direkt am Bauteil.
  • Die neue Technologie könnte die Genauigkeit der Verarbeitung von Bauteilen aus faserverstärkten Hochleistungswerkstoffen verbessern.

Die Herstellung von Produkten, die Faserverbundkunststoffe verwenden (FVK), umfasst heute oft noch viele manuelle Arbeitsschritte: Position und Orientierung der Faserhalbzeuge müssen von Hand exakt ausgerichtet werden, damit das Produkt nach dem Laminieren und Aushärten die gewünschte Stabilität und Flexibilität erhält. Nur so kann der Anwender die Vorteile des Materialverbunds am Ende voll ausschöpfen. Zur Unterstützung des manuellen Ablegeverfahrens, des sogenannten Preformings, hat das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen eine intuitiv zu bedienende Software für marktübliche Augmented-Reality-Brillen entwickelt: Das System gibt die korrekte Ablage der Faserhalbzeuge als virtuelle Darstellung auf der Werkzeugform vor und kann damit die Qualität und Leistungsfähigkeit der Produktionsprozesse deutlich verbessern.

Faserverbundkunststoffe: Viele Arbeitsschritte sind noch manuell

Für das Drapieren von Faserhalbzeugen zur Bauteilherstellung und -reparatur werden Informationen über die Position und Orientierung der Faserschichten bisher in sogenannten Plybooks bereitgestellt: Kleine und mittlere Unternehmen arbeiten häufig noch mit Anweisungen in Papierform und sind in hohem Maße auf die Erfahrung des ausführenden Mitarbeiters angewiesen. Größere Unternehmen, beispielsweise in der Luftfahrtindustrie, setzen bereits auf Laserprojektionssysteme, mit denen die Halbzeugposition auf die Werkzeugform projiziert wird. Diese ermöglichen es auch weniger geübten Personen, die Halbzeuge passend zu positionieren. Solche unterstützenden Systeme sind jedoch vergleichsweise teuer und unflexibel in der Anwendung.

Digitale Anleitung und Dokumentation direkt am Bauteil

Im Fraunhofer-Forschungsprojekt Smart-Lay-Up! hat das Fraunhofer IPT nun eine Alternative zu diesen beiden Arbeitshilfen entwickelt: eine Software, die unter Einsatz marktüblicher Smart Glasses die exakte Ausrichtung und Positionierung der Halbzeuge für Faserverbundkunststoffe direkt auf dem Bauteil sichtbar macht. Das Zuschneiden der Halbzeuge wird ebenfalls durch Projektion von Sollkonturen unterstützt. Das kostengünstige System ist gegenüber den konventionellen Vorgehensweisen mit Papier oder laserbasierten Projektionssystemen deutlich flexibler in der Handhabung und außerdem in der Produktionsumgebung beliebig skalierbar, also auch für die Serienfertigung von FVK-Produkten geeignet.

Die Anwendung, die das Fraunhofer IPT entwickelt hat, stellt dem Werker auf der Datenbrille deutlich mehr als nur eine digitale Version des Plybooks bereit: Sie bietet ihm darüber hinaus auch eine Augmented-Reality-Umgebung, in der die Informationen zur Ausrichtung der reinen Faserschichten oder vorimprägnierten Faserprepregs direkt über das vor ihm liegende Bauteil gelegt werden. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung führt ihn durch den Preforming-Prozess und dokumentiert währenddessen auf Wunsch die Arbeiten zum Zweck der Qualitätssicherung. 

Die Software kann als App einfach auf Datenbrillen mit Android-Betriebssystem installiert und für die jeweilige Laminieraufgabe angepasst werden. Unternehmen, die die Technologie ausprobieren und einsetzen möchten, können die App ab sofort im Rahmen einer Machbarkeitsstudie mit eigenen Mitarbeitern in der Produktion testen und dabei individuelle Bedarfe mit Mitarbeitern des Fraunhofer IPT diskutieren. 

Kostengünstiges System für Hersteller individueller Leichtbauprodukte

Die Aachener Forscher prognostizieren, dass sich durch die neue Technologie die Genauigkeit der Verarbeitung von Bauteilen aus faserverstärkten Hochleistungswerkstoffen verbessern kann. Dadurch, dass die Prozesse nun leichter nachvollziehbar werden, lässt sich die Fehlerrate senken – bei gleichzeitig oft deutlich kürzeren Prozesszeiten. Die Anschaffung des Brillensystems, das weniger als ein Zehntel der kostspieligen Laserprojektionssysteme kostet, wird damit auch für kleine und mittlere Unternehmen erschwinglich und kann in Märkten wie der Medizintechnik, dem Bootsbau, dem Maschinenbau, aber auch bei der Herstellung gehobener Consumer-Produkte aus FVK-Leichtbaumaterialien zu spürbaren Produktivitätsverbesserungen führen.

Während der JEC Composites World 2020, der internationalen Messe für Verbundwerkstoffe und -technologien vom 12. bis 14. Mai in Paris, stellen die Forscher des Fraunhofer IPT ein Beispielsystem aus einer Microsoft HoloLens mit der neu entwickelten Software an einem Prüfstand zum Handlaminieren auf dem Messestand L97 in Halle 5 dem Fachpublikum vor.

Bild: Das Fraunhofer IPT hat eine Software für marktübliche Smart Glasses entwickelt, die die exakte Ablage der Faserhalbzeuge direkt auf dem Bauteil virtuell sichtbar macht. Bild: Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Weitere Informationen: https://www.ipt.fraunhofer.de/

Erfahren Sie hier mehr darüber, wie Sie faserverstärkte Kunststoffbauteile schneller entwickeln können.

Lesen Sie auch: „5G-Netz: Mehr Bandbreite für Flugzeugwartung und Kabinenausbau“.

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on xing
XING
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on email
E-Mail
Share on print
Drucken

Ihre Meinung zum Artikel

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Andere Leser haben sich auch für die folgenden Artikel interessiert

Das Marburger Softwarehaus INOSOFT gehört zu den ersten Entwicklungspartnern von Microsoft, die eine Datenbrille für Augmented Reality-Anwendungen nutzen. Für die Deutsche Kommission Elektrotechnik DKE im VDE (das ist die für Standards in der Elektrotechnik zuständige Organisation in Deutschland) haben die Marburger eine Anwendung entwickelt, bei der es darum geht, einem Servicetechniker bei der Arbeit an einem Schaltschrank zusätzliche Informationen zu den verbauten Geräten und Bauteilen zur Verfügung zu stellen.

Tragen Sie sich jetzt kostenlos und unverbindlich ein, um keinen Artikel mehr zu verpassen!

* Jederzeit kündbar

Entdecken Sie weitere Magazine

Schön, dass Sie sich auch für weitere Fachmagazine unseres Verlages interessieren.

Unsere Fachtitel beleuchten viele Aspekte der Digitalen Transformation entlang der Wertschöpfungskette und sprechen damit unterschiedliche Leserzielgruppen an.