02 2011

Virtual Reality Magazin 2011/02

Ähnlich und doch ganz anders

Mit der heute bereitstehenden Rechenleistung eröffnet sich zum ersten Mal die Möglichkeit, die Verschaltungen von Neuronen und die biochemischen Prozesse in Form eines virtuellen Gehirns nachzubilden und zu simulieren. Ausgehend von der kortikalen Säule, der aus tausenden Neuronen bestehenden Grundeinheit des Cortex, hat sich das Blue-Brain-Projekt an der Ecole Polytechnique Fédé­rale de Lausanne in der Schweiz genau das zum Ziel gesetzt.

Für jedes simulierte Neuron braucht es die Rechenleistung eines durchschnittlichen Notebooks. Ein realistisches Modell des Gehirns würde also Milliarden davon benötigen, aber die Technik des Supercomputing lässt die Möglichkeit einer solchen Simulation auch mit weit geringerem Aufwand in greifbare Nähe rücken.

 Die Forscher können bereits heute mit überraschenden Erkenntnissen aufwarten. So galt es lange Zeit als ausgemacht, dass sich neuronale Verschaltungen durch Erfahrungen entwickeln und vernetzen, ein Phänomen, das als synaptische Plastizität bekannt ist. Auf diese Weise werden zum Beispiel Erinnerungen im Gehirn abgelegt. Nun aber wurde im Blue-Brain-Projekt nachgewiesen, dass sich pyramidale Neuronen im Neocortex nach immer gleichen und relativ einfachen Regeln miteinander verbinden können, unabhängig von den gemachten Erfahrungen. Das könne laut Projektleiter Prof. Henry Markram erklären, warum wir alle eine ähnliche Wahrnehmung der Außenwelt teilten, während unsere Erinnerungen unsere individuellen Erfahrungen reflektierten.

 Henry Markram wird die erstaunlichen Erkenntnisse aus dem Projekt in seiner Keynote-Rede auf dem International Supercomputing Congress in Hamburg präsentieren. Über weitere interessante Projekte und Trends im High Performance Computing finden Sie mehr in unserer aktuellen Ausgabe.

 Andreas Müller,
Leitender Redakteur

Themenhighlights

Hardware
CUDA-Architektur: Rechnen mit der Grafikkarte

Training
Risiken erkennen, bevor es zu spät ist

Praxis
VR-Komplettsysteme – Wann lohnt sich der Einsatz?

Entdecken Sie die Printmagazine des WIN-Verlags