Umfrage: Noch weit bis zur Smart Factory

Inwiefern ist die Digitalisierung im deutschen Maschinen- und Anlagenbau angekommen? Inform, Anbieter entscheidungsintelligenter Softwaresysteme, und das FIR (Forschungsinstitut für Rationalisierung) e.V. an der RWTH Aachen, haben hierzu Ende 2017 Experten und Entscheider aus 47 verschiedenen Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus befragt. Sie sollten sich zum Entwicklungsstand und zur Bedeutung der Digitalisierung in und für ihre Branchen äußern. 

Inform schreibt mit der aktuellen Umfrage eine erste Erhebung aus dem Jahr 2015 fort, deren Ergebnisse als Vergleichswerte für den aktuellen Status quo der Maschinen- und Anlagenbauer in puncto „Industrie 4.0“ dienen.

Digitalisierung: Hohe Bedeutung, aber die Strategie fehlt noch

Die aktuellen Umfrage-Ergebnisse beschreiben einen klaren Aufwärtstrend in der (strategischen) Bedeutung von Digitalisierung und Industrie 4.0 im Maschinen- und Anlagenbau. Nicht nur ist die Aufmerksamkeit für das Thema seit 2015 gestiegen, auch die Maßnahmen für die Industrie 4.0-Umsetzung wurden erhöht. Besonders haben die befragten Unternehmen bereits ihre Prozesse hinsichtlich „Beschaffung“ (18 Prozent), „Fertigung“ (16 Prozent) und „Innerbetriebliche Logistik“ (15 Prozent) seither digitalisiert. Mittlerweile 80 Prozent haben zudem organisatorische Maßnahmen für die Umsetzung von Industrie 4.0 in ihren Unternehmen veranlasst. Trotz der Aktualität des Themas und hohem Wettbewerbsdruck bleiben viele Unternehmen dennoch zögerlich, was die Umsetzung umfassender Digitalisierungs-Strategien betrifft. So ist bei 55 Prozent der Befragten eine entsprechende Strategie nicht vorhanden. Lediglich 6 Prozent geben an, bereits die Transformation zur Smart Factory vollzogen zu haben. Die deutliche Mehrheit hingegen (70 Prozent) sieht sich bezüglich Industrie 4.0 immer noch am Anfang.

„Die Einführung digitaler Prozesse wird künftig mehr denn je wettbewerbsentscheidend für Unternehmen sein“, sagt Andreas Gladis, Leiter Geschäftsbereich Produktion und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Inform GmbH. „Das muss nicht gleich eine Rundum-Erneuerung bedeuten -- für den Anfang reichen kleine erste Schritte oder Projekte. Ein fixer Digitalisierungsplan über mehrere Jahre ist nicht sinnvoll, denn die Anforderungen des Marktes und die technischen Möglichkeiten ändern sich hierfür zu schnell. Es gilt vielmehr, agil zu bleiben. Diesen Ansatz vertreten wir auch mit unserer Software, die einer dieser ersten Schritte hin zur Industrie 4.0 sein kann.“ 

Hürden für die Digitalisierung

Die Mehrheit der befragten Unternehmen (39 Prozent) sieht vor allem ihre Organisationsstruktur als großes Hindernis für die Umsetzung großer Digitalisierungsprojekte. Als weitere wesentliche Hürden wurden die Unternehmenskultur (23 Prozent) und Ressourcen (20 Prozent) genannt.

„Die digitale Vernetzung eines Unternehmens hat tiefgreifende Auswirkungen auf die ganze Organisation. Deswegen funktioniert Digitalisierung auch nur dann, wenn sie unternehmensübergreifend integriert stattfindet und der gesamte Prozess vom Top-Management getragen wird“, sagt Professor Dr. Volker Stich, Geschäftsführer FIR e. V. an der RWTH Aachen. „Zudem muss die Geschäftsleitung im Hinblick auf die Mitarbeiterführung umdenken: Vom „Top Down“-Modell hin zu einem kollaborativeren Ansatz und der Lenkung kleiner, flexibler Einheiten auf Augenhöhe mit den Mitarbeitern.“

Startschuss für die Smart Factory

Bereits knapp 80 Prozent der befragten Unternehmen haben erste konkrete Maßnahmen auf dem Weg zur Smart Factory ergriffen: Fast die Hälfte der Umfrageteilnehmer hat dazu schon ein dediziertes Projektteam gegründet, 20 Prozent haben Themenverantwortliche definiert, neun Prozent eine Stabstelle geschaffen und acht Prozent einen Chief Digital Officer ernannt. Insgesamt ist davon auszugehen, dass der Maschinen- und Anlagenbau vermehrt Maßnahmen ergreifen wird, um die Digitalisierung seiner Unternehmen voranzutreiben.

Messehinweis: Inform auf der Logimat 2018 von 13. bis 15. März in Stuttgart. Halle 08/ Stand D61.

Inform präsentiert auf der Logimat 2018 Felios, ein APS (Advanced Planning and Scheduling)-System speziell für Hersteller aus dem Anlagen- und Maschinenbau. Dipl.-Math. Markus Günther, Produktmanager Felios, begrüßt alle Interessierten herzlich zu seinem Logimat-Vortrag „Synchronisierte Kapazitätsplanung in der Produktion – Mensch, Maschine und Material im Einklang", am Dienstag, den 13.03.2018 von 10:45-11:15 Uhr, Forum D, Halle 8. Im Anschluss steht Herr Markus Günther für Fragen zur Verfügung.

Bild: Fertigungsleiter mit iPad. Quelle: Shutterstock

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Kommentare

Es steht zu befürchten, dass der Anteil derer, die noch keine Schritte in Richtung Smart Factory gemacht haben, unter denjenigen, die nicht an der Umfrage teilgenommen haben, noch etwas höher ausfällt: In manchen Bereichen und vor allem in kleineren Unternehmen ist die Bereitschaft, sich mit dem Thema so weit auseinanderzusetzen, dass eine Teilnahme an der Befragung Sinn ergeben würde, verschwindend gering. Das kann mit dem trügerischen Gefühl zusammenhängen, dass "doch alles gut läuft". Die entsprechenden Unternehmer, die vielleicht die Kosten und Mühen für die notwendigen Maßnahmen scheuen, werden zukünftig immer weniger konkurrenzfähig werden. Es ist höchste Zeit für ein Umdenken!

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