Visualisierung: Winzige fossile Milbe in hoch auflösenden 3D-Bildern

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Ein Deutsch-Britisches Forscherteam mit Dr. Jason Dunlop und Dr. Stefan Wirth, Museum für Naturkunde Berlin, veröffentlicht heute in der internationalen Fachzeitschrift Biology Letters den Fund einer winzigen, 49 Millionen Jahre alten Milbe im Baltischen Bernstein, die sich am Kopf einer Spinne festgesaugt hat. Mit modernsten computertomographischen Methoden entstanden 3D-Bilder, die ein technisches Meisterwerk sind. Diese Milbe von weniger als 0,2 mm Länge ist das kleinste Tier, das bisher mit dieser Methode nachgebildet wurde. Die Milbe ähnelt denen aus der Gruppe ‚Astigmata’, die so klein sind, dass sie keine Luftröhrchen brauchen, sondern den Sauerstoff durch die Haut „atmen“.


Trotz ihrer geringen Größe und oft versteckten Lebensweise sind Milben eine unheimlich vielfältige Gruppe der Spinnentiere mit mehr als 55’000 beschriebenen Arten. Eben wegen ihrer Winzigkeit sind fossil überlieferte Milben eher selten, obwohl man einige beispielsweise im ca. 49 Millionen Jahre alten Baltischen Bernstein finden kann. Das Problem lag immer darin, diese Kleinfossilien gut darstellen zu können.


Eine internationale Forschergruppe, an der Dr. Jason Dunlop und Dr. Stefan Wirth aus dem Museum für Naturkunde Berlin federführend beteiligt waren, hat einen neuen Milbenfund untersucht. „Die Schwierigkeiten bei der Untersuchung waren (a) dass das Tier weniger als 0,2 mm lang ist, (b) dass es fest auf dem Kopf eines anderen Fossils — in dem Fall dem Haupt einer Spinne — sitzt und c) dass es im Bernstein eingeschlossen ist“, so Jason Dunlop. Die Merkmale, die man zur Bestimmung dieser Milbe braucht, sind an der Unterseite des kleinen Körpers versteckt. Um dieses Problem zu lösen und die Milbe auch dort untersuchen zu können, haben die Forscher zusammen mit einem Team der Universität Manchester in Großbritannien die neue Methode der Computertomographie eingesetzt.


Den Forschern gelang es, hoch auflösende 3D-Bilder und eine Videosequenz der Milbe zu erzeugen. Erkennbar sind nun nicht nur die Beine der Milbe, sondern auch ein kleiner ‚Saugnapf’, mit dem dieses Tier sich an der Spinne festgehalten hat. Das ist jedoch kein Fall von Parasitismus. Solche Milben kommen häufig in vergänglichen Habitaten vor. Sobald die Nahrung knapp wird, oder alles ausgetrocknet ist, müssen sie umsiedeln. Für kleine Tiere mit so kurzen Beinen ist es eher unpraktisch zu laufen. Stattdessen lassen diese Milben sich von größeren Tieren tragen. Dabei heften sich diese an den Transport angepassten Jungstadien der Milben stark an ihre Weggefährten fest und werden als ‚Blinde Passagiere’ mitgenommen in der Hoffnung, dass sie später per Zufall in einer neuen, günstigeren Umgebung landen. Das bezeichnet man in der Wissenschaft als ‚Phoresie’. Dem Forscherteam ist es gelungen, dieses Verhalten auch im Bernstein nachzuweisen. Dank der Computerbilder konnte diese Milbe als ältesten Vertreter der noch lebenden Familie der Histiostomatidae zugeordnet werden. Die Mitglieder dieser Familie gehören einer größeren Gruppe namens Astigmata an, deren Vertreter so klein sind, dass sie keine Luftröhrchen zum Atmen brauchen, sondern den benötigten Sauerstoff einfach durch die Haut aufnehmen können.

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